Obstgehölze

Und wenn ich wüsste,
dass morgen die Welt unterginge,
würde ich heute noch
 mein Apfelbäumchen pflanzen
(Martin Luther)

Baumpflanztag

Den Baumpflanztag können Sie bei frostfreiem Boden zwischen Oktober und April wählen. Jedoch bietet eine Herbstpflanzung bessere Anwachsergebnisse. Nur frostempfindliche Sorten (Tafelbirne, Pfirsich, Aprikose etc.) sollten im Frühjahr gepflanzt werden. 

Das Plätzchen für unser Bäumchen

Den Boden auf 1m Durchmesser und ca 40 cm tief ausheben und den Untergrund nochmals auflockern.
   Faustregel: Genauso tief wie er in der Baumschule stand, nicht
 mehr und nicht weniger.
 Empfehlenswert ist es den Boden nach Schichten getrennt zu lagern (Ober- und Unterboden) und später so wieder einzufüllen.

Damit er gross und stark wird

Dem Oberboden ca 7 Liter Kompost beimengen. Niemals Kompost oder Mist unverdünnt in das Pflanzloch geben. Es reicht auch den Kompost nur zur Abdeckung der Baumscheibe zu verwenden.

Die Veredelungsstelle muss sich über dem Boden befinden. Kräftiges angiessen sorgt für einen guten Bodenschluss um die Wurzeln und begünstigt das anwachsen. 

Manchmal notwendig: die Wurzelbehandlung

Beschädigte oder trockene Wurzeln frisch anschneiden. Alle Fein- und Faserwurzeln verbleiben wie sie sind.

Ungebetene Gäste: Wühlmaus und Co

Um Wühlmäuse abzuhalten wird ein ca 1m² große Stück verzinkter Maschendraht mit 16 mm Maschenweite und ohne Kunststoffummantelung in das Pflanzloch gelegt. Den Baum nun einpflanzen und die Ränder des Maschendraht in Richtung Stamm umlegen. So das ein geschlossener Korb entsteht.

Baumschnitt

Eigentlich könnte man den Baum ja auch wachsen lassen wie er möchte.
Warum also schneiden?

Zum Aufbau eines stabilen Traggerüstes, das hohem Fruchtbehang und Schneelast standhält. Auch für höhere Erträge und eine bessere Qualität der Früchte ist ein Schnitt erforderlich.

Wann schneiden?

Der Winterschnitt erfolgt zwischen Januar bis Mitte März für Kern- Stein- und Beerenobst. Ganz wichtig ist, das nicht unter -5° C geschnitten wird!

Der Sommerschnitt erfolgt für Kirschen nach der Ernte.
Jungbäume, Spaliere oder Spindelbäume zwischen Juli bis Mitte August.
Verjüngte Bäume werden im Juli         nachgeschnitten.    
   
           

Baumschnitt1

Abb.:1

Vorteile des Sommerschnitt sind grössere Früchte und eine bessere Fruchtfärbung, bessere Knospenbildung und bessere Wundheilung.

Wachstumsförderung

Baumschneidekurs1-7_2

Abb.:2

Spitzenförderung

Baumschneidekurs1-7_4

Abb.:4

Scheitelpunktförderung

Baumschneidekurs1-7_3

Abb.:3

Oberseitenförderung

Baumschneidekurs1-7_5

Abb.:5

Fruchtbogenförderung

Schnittgesetze

Starker Rückschnitt

Starker Austrieb

Schwacher Rückschnitt

Schwacher Austrieb

Ungleicher Rückschnitt

Ungleicher Austrieb

Nun zu den Schnitttechniken

Beim Rückschnitt muss darauf geachtet werden, das keine Zapfen stehen bleiben, sogenannte Huthaken.

Baumschneidekurs1-8_6

Abb.:6

Der richtige Schnitt erfolgt direkt am Astwulst und wird anschliessend mit Baumwachs etc versiegelt. So kann kein Wasser eindringen und Keime, Bakterie, Viren oder Pilzsporen in die Schnittstelle leiten.

Beim weiterleiten auf einen Seitenast erfolgt der richtige Schnitt in dem mit rS gekennzeichneten Bereich

Baumschneidekurs1-8_8

Abb.:7

Baumschneidekurs1-8_7

Abb.:8

Starke und schwere Äste werden am besten in drei Stufen abgesägt. Auf diese Weise wird verhindert, dass das Gewicht des Astes das Holz bis in den Stamm einreissen kann.

Erziehungsschnitt

1. Leitäste auswählen, günstig ist hier ein Winkel zwischen 45° - 90° Grad. Weiterhin auf gute Streuung achten, damit der Baum nicht wie ein Quirl aussieht :)
2. Konkurrenztriebe (alle Triebe die nach innen wachsen) und überzähliege Triebe entfernen.
3. Leitäste durch abspreizen oder hochbinden formieren. Natürlich nur solange diese grün und flexibel sind.

Baumschneidekurs1-9_9

Abb.:9

Leitäste um ca. 1/2 - 1/3 auf eine Knospe zurückschneiden. Hier ist darauf zu achten, dass bei einem Schnitt auf ein nach aussen gerichtetes Auge, die gewählte Knospe verkümmert und austrocknet. Lieber auf das nächst höhere nach innen, oder seitwärts gerichtete Auge anschneiden. Die gewünschte äussere Knospe wird dann in aller Regel kräftig austreiben. Auf diesen Austrieb wird dann im folgenden Sommer oder Winterschnitt zurück geschnitten.

Schnitt nach dem ersten Standjahr

Falls im Vorjahr keine Knospen ausgebrochen wurden, werden nun Konkurrenztriebe und alle nach innen wachsenden Triebe entfernt.
(Nach innen = Richtung Stamm)
Leitäste können nun auch weiter formiert werden, zum Beispiel für eine Erziehung zum Spalierobst.
 

saftwaage

Auf die sogenannte Saftwaage achten. Das heisst, stärker entwickelte Leitäste werden schwächer zurück geschnitten und schwächer entwickelte Leitäste werden stärker zurück geschnitten. >>>Schnittgesetze

Und in den folgenden Jahren:

Instandhaltungsschnitt

Leitäste nicht mehr ausschneiden!
Auslichten der Krone und Höhenbeschränkung durch kappen der Stammverlängerung.
Seitenäste den Leitästen unterordnen.
Saftwaage der Leitäste (bei gleichmässiger Entwicklung
Kronenüberbauung vermeiden, Stammverlängerung als Spindel

Verjüngungsschnitt

Für den Verjüngungsschnitt die Leitäste und Mitte suchen, einkürzen oder auf günstige Verlängerungen weiterleiten.

Achtung

Durch Schnittmaßnamen wird die Triebleistung immer angeregt,
deshalb sind immer Nachbehandlungen erforderlich

Benötigte Werkzeuge

Gartenschere

Für Zweige bis etwa 1,5 cm Durchmesser

Astschere

für dickere Zweige, Beerensträucher und Ziergehölz

Bügelsäge

das Blatt der Bügelsäge muss verstellbar sein

Stichsäge (keine elektrische)

für das Sägen an schwer zugänglichen Stellen

Hippe

zum ausschneiden von Krebswunden und entfernen dünner Zweige.

Bürste

zum entfernen von Moos, Flechten und Schädlingsgelegen

sonstiges

Wundverschlußmittel, Pinsel, Bindematerial

Und nun viel Erfolg mit dem neuen Obstbäumchen

Immer dran denken: Das Grüne nach oben!

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